Geschichte

Durch die große Vertikalerstreckung des Amraser Waldgebietes (1.000 m Höhendifferenz) und das Fehlen geeigneter Transportwege war eine Bringung des Holzes nur sehr erschwert möglich. Bis zum Jahr 1952 mußte das geschlägerte Holz über s.g. “Riesen“ zu Tal gebracht werden. Für die Amraser und Pradler „Holzer“ war zudem ein jeweils ca. 3-stündiger Fußmarsch für die Schlägerungs- und Bringungsarbeiten erforderlich. Das „Holztreiben“ führte im unteren Teil der Schreierriese zu starken Schädigungen von Aldranser Privatwäldern, weshalb dieser Waldteil 1928 im Tauschwege zum Amraser Hochwald erworben wurde.
In den Jahren 1948-1952 konnte der erste Weg auf die Aldranser Alm in Handarbeit und ohne technische Hilfsmittel gebaut werden. Nachdem eine motorisierte Holzbringung damals nicht voraussehbar war, wurde die Weganlage nur für die Winterbringung ausgelegt. Ab 1952 war der Hochwald mit Pferdegespannen erreichbar, erst viel später erfolgte eine Wegverbreiterung, sodaß auch mit den mehr und mehr die Pferdegespanne verdrängenden Traktoren gefahren werden konnte (Anmerkung: Der 1.Traktor von Amras, ein heute noch erhaltener Steyr T 180, Baujahr 1947, wurde 1948 von Karl Zimmermann angeschafft).

Bis 1973 war für diese noch heute in ihren damaligen Grundstrukturen erhaltene „Alt-Amraser Gemeindeinstitution“ die Bezeichnung „Agrargemeinschaft Amraser Gemeindewald“ geltend, seit 1973 wird der Name „Agrargemeinschaft Amraser Hochwald“ als Körperschaft öffentlichen Rechtes geführt.
Veranstaltungen
Exkursion der Volksschule Amras
Nach längerer Unterbrechung wurde in Zusammenarbeit mit der Direktion der Volksschule Amras im Juni 2003 wieder eine Exkurison in den Amraser Hochwald mit den 4.Klassen durchgeführt. Neben dem Kennenlernen des Amraser Waldgebietes können die Kinder dabei unter fachkundiger Anweisung selber Jungpflanzen setzen, das Fällen eines Baumes mit Vorstellung der Arbeitsausrüstung veranschaulicht praxisnahe die Waldbewirtschaftung. In verschiedenen Stationen werden zudem die Waldfunktionen Holznutzung, Schutzwald, Naturschutz, Trinkwasserversorgung und Erholungsraum vorgestellt, eine kräftige Jause auf der Aldranser Alm bildet dabei den Abschluß einer interessanten Schulveranstaltung.

Bergmesse
Bereits mehrmals wurde von der Agrargemeinschaft Amraser Hochwald in Zusammenarbeit mit der Ortsbauernschaf und Jungbauernschaft eine Bergmesse auf der Aldranser Alm organisiert. Viele Amraser verbinden dabei ihren Wanderausflug mit dem Besuch der hl. Messe in freier Natur, sowie einigen unterhaltsamen Stunden auf der Aldranser Alm. Für die älteren Teilnehmer wird von der Freiw.Feuerwehr Amras dankenswerterweise ein Personentransfer auf die Aldranser Alm durchgeführt ( www.aldranseralm.at )

Schutzwald
Der Amraser Hochwald als Schutzwald
Die Hochlagenbestände der Agrargemeinschaft Amraser Hochwald werden seit 1972 durch das Hochlagenaufforstungs- und Schutzwaldsanierungsprojekt „Patscherkofel-Glungezer“ beim Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft erfasst, die Verjüngung der Waldbereiche ab 1.700 m Seehöhe sind dabei vordringliche Maßnahme.

Gefahren für den Wald
Zu den größten Gefahren des Amraser Hochwaldes zählt neben den auch in diesem Gebiet bereits auftretenden Umweltschäden der Föhnwind. So wurden beispielsweise 2002/2003 über 250 Festmeter Holz geworfen, welche nur mit erheblichem Aufwand und unter gefährlichen Arbeitsbedingungen aufgearbeitet werden konnten. Wildverbissschäden treten insbesondere an der Baumart Tanne auf, an den Stangen- und jungen Baumhölzern sind gebietsweise durch Rotwild verursachte Schälschäden zu beobachten. Mit verstärktem Jagddruck auf das Rotwild sowie gezieltem Aushieb der stark geschälten Fichtenbestände konnten wirksame Verbesserungsstrategien angewandt werden.
Hagelschäden führen insbesondere in den Jungbeständen zu mechanischen Rindenverletzungen und in älteren Beständen durch „Abschlagen“ der neuen Triebe zu Vitalitätsverminderungen, wodurch Zuwachsverluste eintreten.

Pflege- und Erhaltungsmaßnahmen
Durch die mit großem Bemühen in den letzten 20 Jahren von der Agrargemeinschaft Amraser Hochwald getätigten Pflege- und Sanierungsmaßnahmen, sowie einem entsprechendem Wegausbau, konnte die jährliche Gesamtnutzung unter Berücksichtigung einer langfristigen Sicherung der Holzversorgung und dem Erhalt der Waldfunktionen um über 30 % erhöht werden.
Von den Mitgliedern der Agrargemeinschaft werden jährlich die Einschläge mit ca. 500 Jungpflanzen aufgeforstet, Jungwuchs- und Dickungspflege der Bestände sichern den langfristigen Zuwachs und eine positive Gesamtentwicklung des Waldes. In geographisch geeigneten Waldgebieten wurden von der Agrargemeinschaft erstmals in diesem Gebiet automationsunterstützte Bearbeitungsverfahren eingesetzt, der Großteil der Schlägerungs- und Pflegemaßnahmen muß jedoch großteils in Handarbeit getätigt werden.
Der Amraser Hochwald als Naturschutzgebiet
Die Initiative des Tiroler Forstvereines, in Tirol Naturwaldreservate zu erfassen und für die Zukunft zu erhalten, wurde auch von der Bezirksforstinspektion Hall aufgegriffen. Die Widmung zu einer Naturwaldzelle soll einen Beitrag zur Bewahrung natürlicher, möglichst unberührter Waldflächen, aber auch zur Waldforschung darstellen. Der Bereich „Ampasser Kessel“ mit einer Fläche von 26 ha, der sich unterhalb des bekannten Zirbenweges zwischen dem Glungezer und dem Patscherkofel in einer Seehöhe von ca. 1.800 – 2.000 m erstreckt, wurde 1992 vertraglich auf die Dauer von 25 Jahren von den Agrargemeinschaften Ampasser und Amraser Hochwald zur Verfügung gestellt. Während dieses Zeitraumes dürfen keinerlei forstliche Nutzungen und sonstige Eingriffe, wie z.Bsp. Aufforstungen und Wegbauten, durchgeführt werden. Die Naturwaldzelle Ampasser Kessel wurde von Experten der Universität für Bodenkultur, Wien, untersucht, die Analysen geben vor allem Aufschluß über den Entwicklungsvorgang eines vom Menschen unbeeinflussten Waldes und bieten gleichzeitig eine Orientierungshilfe für einen in der Praxis umzusetzenden naturnahen Waldbau. Eine riesige ca. 730 Jahre alte Zirbe stellt eine besonderes Naturdenkmal dar und gilt als ältester Baum Tirols!
Erreichbar ist dieses Kleinod am besten zu Fuß von der Rinner Alm, von wo Hinweisschilder und ein Steig zum Beginn des Ampasser Kessel führen.
Wasser
Die ehemals selbständige Gemeinde Amras verfügte trotz zahlreicher Verbesserungsmaßnahmen bis 1931 über eine nur unzureichende Trinkwasserversorgung. Der Bevölkerungszuwachs in Amras in den 1920-er Jahren und die Entwässerung der versumpften Aldranser Wiesen führte in den Sommermonaten zu einem Wassermangel, sodaß die Trinkwasserversorgung als auch der Brandschutz für die Gemeinde Amras massiv beeinträchtig war. Bei der Suche nach weiteren, qualitativ besseren Quellen wurde man im Amraser Hochwald fündig.

Die östlichste auf der noch heute im Eigentum der Agrargemeinschaft Amraser Hochwald stehenen Waldparzelle 1583 in K.G. Aldrans entspringenden Schreierbachquellen, erschien hinsichtlich der Ergiebigkeit, als auch einer konstanten Wasserversorgung für die Ableitung am besten geeignet zu sein. Für die Fassung war die aufwendige Errichtung eines Sickerstollens und einer Brunnenstube auf der in 1.420 m Seehöhe nordöstlich der Aldranser Alm gelegenen Waldparzelle erforderlich, für die Ableitung musste eine Gussrohrleitung bis zur ehemaligen Mühltalquellfassung der Gemeinde Amras händisch verlegt werden. Die heute noch bestehende Trinkwasserversorgungsanlage „Schreierbachquellen“ konnte am 3.September 1931 fertiggestellt werden, die offizielle Einweihung erfolgte am 11.Oktober 1931 mit einem Festakt am Stecherplatz.

Die gesamte Wasserversorgungsanlage wurde in den letzten Jahren von den Innsbrucker Kommunalbetrieben AG umfangreich saniert, nach Bemühungen durch die Agrargemeinschaft Amraser Hochwald konnte gerade im „Internationalen Jahr des Süßwassers“ die Konsumation von qualitativ hochwertigem Trinkwasser aus dem Amraser Hochwald für einen Großteil von Amras im Sommer 2003 wieder ermöglicht werden. Durch ständige Untersuchungen des Trinkwassers in mikrobiologischer, chemischer, physikalischer und radiologischer Hinsicht vom Institut für Hygiene der Universität wird höchste Qualität garantiert, insgesamt weist das Amraser Trinkwasser einen deutlich niedrigeren Härtegrad und dadurch geringeren Kalkanteil wie das Nordkettenwasser auf. Amras verfügt somit über ein mehrfach gesichertes Trinkwassersystem (Amraser Hochwald, Mühlauer Quellen, Grundwasserfeld Höttinger Au), dem Erhalt einer unabhängigen Amraser Trinkwasserversorgung, einer damals wie heute großartigen kommunalen Einrichtung, kann gerade im Jahr 2003 mit Hitzeperioden und Niederschlagsarmut besondere Bedeutung beigemessen werden .
Nutzung
Holznutzung
Gemäß dem für den Zeitraum 1993 – 2012 gemeinsam mit der Landes- und Bezirksforstdirektion Hall erstellten Waldwirtschaftsplan, ergibt sich für die jährliche Gesamtnutzung ein Hiebsatz von 350 Erntefestmeter. War früher das Auszeigen von einzelnen kleinen Schlägerungsteilen und Bearbeitung durch die Mitglieder das Mittel der Holznutzung, werden seit 20 Jahren Gemeinschaftsschlägerungen durch die Agrargemeinschaft organisiert.

Mit 23.10.2001 hat die Agrargemeinschaft Amraser Hochwald die gemäß den Festlegungen der „Ministerkonferenz in Helsinki, 1993, zum Schutz der Wälder“ erlassene P E F C – Zertifizierung (Pan-European-Forest-Certification) erhalten. Als verbindliche Kriterien gelten dabei insbesondere: Erhaltung und angemessene Verbesserung der Waldressourcen und ihr Beitrag zu den globalen Kohlenstoffkreisläufen, Erhaltung der Gesundheit und Vitalität von Waldökosystemen, Erhaltung und Förderung der Produktionfunktion der Wälder, Erhaltung, Schutz und angemessene Verbesserung der biologischen Vielfalt in Waldökosystemen, Erhalt und angemessene Verbesserung der Schutzfunktion in der Waldbewirtschaftung (insbesondere Boden und Wasser) und Erhaltung anderer soziökonomischer Funktionen und Bedingungen.

Nebennutzung des Amraser Hochwaldes
Der Amraser Hochwald ist in dem ca. 800 ha umfassenden Jagdgebiet der KG Aldrans eingeschlossen, die Agrargemeinschaft bildet gemeinsam mit den Aldranser Nutzungsberechtigten die „Jagdgenossenschaft Aldrans“. Im Revier werden die Schalenwildarten Rot-, Reh- und Gamswild, sowie Auer- und Birkwild bejagt.

Der Amraser Hochwald als Naherholungsgebiet
Das umfangreiche Wegnetz im Amraser Hochwald wird gerne von der Bevölkerung und von Feriengästen für Wanderungen vor allem auf die Aldranser Alm genützt, die von der Agrargemeinschaft Amraser Hochwald errichteten Sitzbänke laden die Wanderer zu einer Rast mit Ausblick auf das Inntal ein.

Auch den Freunden des Radsportes wird die Möglichkeit zur Wegbenützung geboten, 1999 wurde zwischen der Agrargemeinschaft Amraser Hochwald und dem Tourismusverband Innsbruck und seinen Feriendörfern vertraglich eine Mountain-Bike Route ausgebildet, welche sich großer Beliebtheit erfreut.

Entwicklung des Amraser Hochwaldes
Unter dem Grundsatz „Forstwirtschaft mit Verantwortung“ werden sich die Verantwortlichen der Agrargemeinschaft Amraser Hochwald auch weiterhin bemühen, eine der technischen Entwicklung angepasste Bewirtschaftung mit langfristiger Sicherung der Holzversorgung und Erhaltung der Waldfunktionen im Interesse der Allgemeinheit durchzuführen. Die Bewahrung der Eigenständigkeit und die Berücksichtigung der Amraser Traditionen sind ebenso wie ein modernes ökosoziales Management Auftrag für die Funktionärstätigkeit.
Ein besonderer Dank darf dem Leiter der Bezirksforstinspektion Hall, Hr. Dipl.Ing.Siegfried Tartarotti und seinen Mitarbeitern für die nunmehr seit über 20 Jahren fachliche Betreuung und Unterstützung in der Projektierung und Umsetzung von Bewirtschaftungsmaßnahmen ausgesprochen werden.
Ausschuss/Mitglieder
| Obmann: Georg Plattner |
Obmannstv.: Dr. Markus Bachlechner |
Kassier: Ing. Mag. Johannes Schiener |
Schriftführer: Johann Zimmermann |
|
Korrespondierende Ausschussmitglieder: |
Kassenprüfer: Gottfried Schapfl Heinz Neuner |
Neues Ausschussfoto in Ausarbeitung!
Der Ausschuss der Agrargemeinschaft Amras
Mitglieder
Die Anteilsrechte am Amraser Hochwald sind mit den Liegenschaften aus Alt-Amras und der ehemaligen Gemeindefraktion Alt-Pradl verbunden und im Grundbuch eingetragen. Auch 100 Jahre nach der Abtrennung der Fraktion Pradl von der Gemeinde Amras zur Stadt Innsbruck ist in den Statuten noch eine Unterteilung der Vollversammlung in einen „Wahlkörper Amras“ und einen Wahlkörper Pradl“, bzw. eine Aufteilung der Ausschussfunktionen vorgesehen.
Ein Teil der Anteilsrechte (ca. 20%) war im Besitz der ehemaligen selbständigen Gemeinde Amras und wurde nach der Eingemeindung im Jahr 1938 an die Stadt Innsbruck als Rechtsnachfolger übertragen. Heute besteht die Agrargemeinschaft aus 75 Mitgliedern.
