Geschichte

Aus der Chronik der Stadtmusikkapelle Amras-Innsbruck

Im Jahr 2005 konnte die Amraser Musikkapelle das 175-Jahr-Jubiläum feiern, denn als Gründungsjahr muss spätestens 1830 angenommen werden. Ein schriftliches Dokument von der Gründung liegt nicht vor, aber Andrä Kirchmayr (1861-1925), Ehrenbürger von Amras, führte am 9.6.1912 anlässlich des 35-Jahr-Jubiläums der Neugründung 1877 aus, dass sein Großvater Andrä Schaffenrath im Jahre 1835 nach langjähriger Tätigkeit als Kapellmeister gestorben ist. Die erste urkundliche Erwähnung ist im „Denkbuch der Erbhuldigung in Tirol 1838 (Innsbruck 1839)“ enthalten. Nach 1838 bis zur Auflösung der Kapelle im Jahre 1873 (es war kein Kapellmeister zu finden) gibt es keine schriftlichen Aufzeichnungen.
Aber schon 4 Jahre später, im Jahre 1877, erfolgt die Neugründung der Musikkapelle, was eigentlich nichts anderes als die Reaktivierung war, denn Instrumente waren noch vorhanden und Musikanten waren wieder bereit zur Mitwirkung. Die Kapelle hatte 1878 die beachtliche Mitgliederzahl von 46 Musikanten. Zu verdanken war die „Neugründung“ dem Franz Sokopf, der zum Obmann gewählt wurde. eine Besonderheit, denn damals war es nicht üblich, einen Obmann zu wählen. Bei der Fronleichnamsprozession 1877 rückte die Kapelle erstmals in einheitlicher Kleidung aus – der damals eingeführte graue Rock und der graue Hut werden heute noch bei der „Grauen“ getragen. Die erste Nationaltracht wurde erst 1922 angeschafft. Es war die Zillertaler Tracht mit dem Tuxer Janker, dem schwarzen Brustfleck, der Kniehose und dem Fügener Hut. Warum aber bereist sieben Jahre danach (1929) die jetzige „Sonnenburger Tracht“ angeschafft wurde, ist in der Chronik nicht verzeichnet. Von der Zillertaler Tracht ist aber der schwarze Brustfleck geblieben, der heute noch (mit goldener Lyra) vom Obmann, dem Kapellmeister, dem Ehrenkapellmeister und dem Stabführer getragen wird.
Wo die Kapelle vor 170 Jahren geprobt hat, ist nicht bekannt. Nach 1877 probte man im (ersten) Amraser Schulhaus. Nach dem 1. Weltkrieg benützte man die Veranda beim „Bierwirt“, 1933 baute man einen Kellerraum im (zweiten) Schulhaus aus. Seit 1965 steht der Kapelle im Keller des Kindergartens Pradl-Ost ein guter Proberaum zur Verfügung, der leider etwas abgelegen ist, weshalb Bestrebungen im Gange sind, im Ortszentrum eine bessere Lösung zu finden.
Seit Ende der Vierzigerjahre konnte sich die Kapelle ohne Unterbrechung durch Kriegs- und Notzeiten kontinuierlich entwickeln. Ein besonders wichtiges Jahr war 1958, will die Kapelle erstmals seit ihrem Bestehen mit einheitlichen Instrumenten (tiefe Stimmung) ausgestattet werden konnte. Das war eine der Grundlagen für eine gute musikalische Entwicklung, die seither in der Teilnahme an allen Wertungsspielen des Bezirkes und des Landesverbandes zum Ausdruck kommt und von denen die Urkunden im Probelokal eins stolzes Zeugnis geben. Aber auch viele Rundfunkaufnahmen und einige CD’s sind Beispiele zielstrebiger Arbeit. Dazu zählen aber auch die alljährlichen Frühjahrskonzerte, die seit dem Jahr 1979 im Innsbrucker Stadtsaal, im Congress Innsbruck und ab dem Jahre 2019 im Haus der Musik stattfinden.
Auszug aus der Chronik – von Prof. Andreas Bramböck