Senatsrat Univ. Prof. Dr. Franz Heinz Hye +

Senatsrat Univ. Prof. Dr. Franz Heinz Hye ist am 30. November verstorben. Als wir am Tag darauf davon erfuhren, waren wir sehr betroffen, haben wir ihn doch erst kürzlich besucht und davon gesprochen, dass wir uns zu seinem Geburtstag, welchen er am 21. Dezember gefeiert hätte, wiedersehen werden.

Aus diesem Anlass wollen wir aus der Perspektive seiner engeren Heimat Amras und speziell aus der der Schützen Rückblick auf sein Leben halten. Ministerialrat i.R. Dr. Franz Hye Edler von Kerkdal ist im Jahr 1919 mit seiner Familie von Wien nach Amras gezogen und hat hier seinen Wohnsitz genommen. Franz Heinz wurde am 21. Dezember 1937 in Amras geboren und ist hier auch aufgewachsen. Durch die Volksschule begleitete Heinz die legendäre Lehrerin Frieda Lackner, die er sehr geschätzt hat und ihm viel für sein Leben mitgegeben hat. Er wollte Lehrer werden und besuchte deshalb die Lehrerbildungsanstalt in Innsbruck. Sein Interesse für Geschichte bewegte ihn zum Studium an der Universität Innsbruck und anschließend in Wien am Institut für Österreichische Geschichtsforschung. Nach Abschluss des Studiums war er im Tiroler Landesarchiv tätig und wechselte schließlich in das Innsbrucker Stadtarchiv, als dessen Direktor er 1998 in den Ruhestand ging. Doch Ruhestand war für Heinz Hye, wie wir wissen, ein Fremdwort.

In seiner Zeit als Archivdirektor war es ihm ein Anliegen, den Stadtteilen Innsbrucks durch die Herausgabe der Buchreihe „Die Stadtteile von Innsbruck“, in denen Geschichte und Gegenwart behandelt werden, zu mehr Identität zu verhelfen. 1989, pünktlich zum 500. Weihejubiläum der Amraser Pfarrkirche  ist der erste Band „Amras – Geschichte und Gegenwart“ erschienen. Er hat ein Mal erzählt, dass es eigentlich die enge Bindung und die Liebe zu seiner engeren Heimat Amras war, die ihn veranlassten, sich intensiv mit den Innsbrucker Stadtteilen zu befassen und die entsprechenden Publikationen herauszugeben. Mit zahlreichen wissenschaftlichen Veröffentlichungen zur Geschichte der Städte, Märkte und Gemeinden Tirols oder zum Beispiel die Entstehungsgeschichte des Goldenen Dachls und das Grabdenkmal Kaiser Maximilians I. in der Hofkirche hat er sich ein kulturpolitisches Denkmal gesetzt.

Die Amraser kennen Dr. Hye, der von Anbeginn der Arbeitsgemeinschaft Amras und damit den Amraser Korporationen und Vereinen als Ratgeber und Initiator zur Verfügung stand, auch von den vielen interessanten Artikeln im „Amraser Boten“. Viele kennen ihn auch als geschätzten Universitätslehrer, wo er seine Spezialgebiete Landesgeschichte sowie Heraldik und Sphragistik unterrichtete. Als unermüdlicher Volkserzieher erlangte er im ganzen Land Bekanntheit. Es ist erstaunlich, wenn man die Anzahl seiner Veröffentlichungen und die Themen seiner Werke betrachtet, welche seinen internationalen Ruf als Wissenschaftler festigten.

Mit seiner Arbeit über die Innsbrucker Stadtteile kam er sehr eng mit Korporationen und Vereinen in Verbindung, die er selbstverständlich als wesentliche, gemeinschaftsbildende Faktoren in das umfassende Werk mit einbezog. So lernten ihn auch die Schützen, als naturgemäß historisch besonders interessierte Gruppierung kennen und schätzen. Als Tiroler Patriot hat ihn auch stets die Zerreißung Tirols beschäftigt. Ihm lag die geistig - kulturelle Einheit unserer Heimat Tirol so wie das Tiroler Schützenwesen stets am Herzen. Das schlägt sich in seinen vielen Vorträgen, Aufsätzen und Büchern nieder. Viele Vorträge bei Südtiroler Schützenkompanien und mehrere Publikationen über das Schützenwesen im Süden Tirols machten ihn auch dort bekannt und angesehen. Mit mehreren Ehrungen haben die Schützen ihre Dankbarkeit gezeigt. Im Jahr 1990 wurde Dr. Hye der Ehrenkranz des Bundes der Tiroler Schützenkompanien verliehen, dem 1996 die Auszeichnung mit dem Maximiliankreuz, folgte. Die Südtiroler Schützen haben ihm mit dem Ehrenkranz des Südtiroler Schützenbundes gedankt. Die Schützenkompanie Markt Mühlbach ernannte ihn zum Ehrenleutnant und der Schützenbezirk Brixen verlieh ihm die Goldene Ehrennadel.

Wegen seiner jahrelangen Tätigkeit bei der Arbeitsgemeinschaft Amras und sein großes Interesse für das Schützenwesen verlieh ihm die Schützenkompanie Amras 1994 die Ehrenmitgliedschaft. Nachdem Heinz seinen sehnlichen Wunsch, die Amraser Tracht tragen zu können, äußerte, haben ihn die Amraser Schützen nach eingehender Beratung, 1998 zu ihrem Ehrenleutnant ernannt. Wobei, nebenbei bemerkt, das Ehrenmitglied in der Hierarchie über einem Ehrenoffizier steht. An Verdiensten für die Schützenkompanie Amras seien, neben seinen fundierten Vorträgen und den von ihm geleiteten Exkursionen, zwei Beispiele genannt.

Die Schützenkompanie Amras besaß eine heruntergekommene, zerschlissene Fahne aus dem Jahr 1855. Heinz machte sich die Wiedererrichtung dieser Fahne zur Aufgabe. Die ursprüngliche Annahme, dass diese Fahne renoviert werden könne, erwies sich als Trugschluss; sie musste als Kopie komplett neu  erstellt werden. Daraus entstanden beträchtliche Kosten, von denen Graf Johannes und Gräfin Cecily von Trapp einen ansehnlichen Beitrag leisteten, den weitaus größeren Anteil der Kosten übernahm jedoch unser Schützenkamerad Heinz Hye. Er ließ auch die beiden, für die neue Fahne nicht brauchbaren Originalseiten renovieren und übergab sie als Schaubilder der Kompanie Amras. Die Fahne wird zuweilen als „historische Fahne“, gemeinsam mit der Kompaniefahne mitgeführt.

Im Rahmen seiner Forschungen konnte Heinz beweisen, dass die Schützenkompanie Amras nicht erst seit der Landmilizreform unter Erzherzog Maximilian III. im Jahr 1605, sondern schon seit mindestens 1577 besteht. 1567 verlegte Erzherzog Ferdinand II., der seit 1564  Landesfürst von Tirol war, seine Residenz nach Innsbruck und begann das Schloss Ambras großzügig als Rennaissance-Schloss umzubauen. Dieses Ereignisses wird übrigens im kommenden Jahr in Innsbruck mit mehreren Veranstaltungen gedacht werden. Im Zuge dieser Umbauten entstand auch der heute „Spanischer Saal“ genannte Anbau, in dessen Untergeschoss die Rüstkammer des Landes-Defensionsaufgebotes des Probsteigerichtes Amras untergebracht wurde. Von 1577 ist eine detaillierte Aufzählung der dort gelagerten Waffen und Ausrüstungsgegenstände erhalten, welche den Amraser Bauern im Verteidigungsfall zur Verfügung standen.

Beim Requiem, das in der Basilika Wilten am 6. Dezember 2016 stattfand und von Pfarrer Norbert Gapp geleitet wurde, waren neben der Familie zahlreiche andere Teilnehmer, darunter viele Amraser, eine starke Abordnung der Schützenkompanie Amras, Abordnungen der Schützenkompanie Markt Mühlbach und des Schützenbezirks Brixen unter Major Helmut Oberhauser, die Bundesbrüder von den Verbindungen Amelungia und Leopoldina sowie die Confratres vom Deutschen Orden anwesend und gaben dem Verstorbenen die letzte Ehre. Der Bezirkskulturreferent Lt. Josef Kaser erinnerte in einer kurzen Ansprache an die vielen Verdienste, welche sich Ehrenleutnant Heinz Hye für Südtirol erworben hat und erwähnte besonders sein von ihm ins Leben gerufene Projekt „Kennenlernen der Tiroler Wallfahrtsorte, welches der Schützenbezirk Brixen schon seit Jahren mit den jeweiligen örtlichen Kompanien durchführt.

Die Beerdigung fand am nächsten Tag im engsten Familienkreis statt.

Nicht nur als Gönner im materiellen Sinn und als historischer Berater, sondern auch als Freund und Schützenkamerad ist uns unser Ehrenmitglied Ehren-Leutnant Senatsrat Univ. Prof. Dr. Franz Heinz Hye ans Herz gewachsen.

Wir danken ihm für alles, was er für die Allgemeinheit in Amras getan und für das reiche Werk, das er uns hinterlassen hat. Der Herrgott möge es ihm lohnen!


Fotos: Schützenkompanie Amras