Alt-Bürgermeister Romuald Niescher +

Am 22. Mai 2017 ist der Ehrenmajor des Schützenbataillons Innsbruck und Ehrenhauptmann der Schützenkompanie Reichenau Alt-Bürgermeister Romuald Niescher im 85. Lebensjahr verstorben. Dies ist auch ein persönlicher Nachruf des Verfassers dieses Beitrags, der den Verstorbenen vor 55 Jahren kennen und schätzen gelernt hat, und ihn über mehrere Jahre in einigen ehrenamtlichen Organisationen begleiten durfte. Am 9. Februar 1933 wurde er geboren und ist als echter Innsbrucker in der Altstadt, nachdem der Vater sehr früh gestorben ist, als Halbwaise aufgewachsen. Er besuchte das Akademische Gymnasium und wurde 1951 bei der K.Ö.St.V. Teutonia aufgenommen, wo er lernte, wie man organisieren und demokratisch führen kann. Bei seiner Verbindung und beim Landesverband der katholischen Mittelschulverbindungen durchlief er alle möglichen Funktionen und war viel Jahre dessen rühriger Vorsitzender. Beruflich war Raoul, wie ihn seine Freunde nannten, bei der Tiroler Gemeinnützigen Wohnbaugesellschaft angestellt, wo er es 1971 zum Prokuristen brachte. Er war von Jugend auf ein politisch interessierter Mensch, der immer mitgestalten wollte. Schon 1954 trat er der „Jungen Generation der ÖVP“ bei, durchlief mehrere Parteifunktionen und wurde schließlich 1965 in der Gemeinderat gewählt. Amtsführender Stadtrat, Vizebürgermeister waren weitere politische Stationen, bis er 1983 als Nachfolger von Alois Lugger zum Bürgermeister gewählt wurde; eine Funktion, die er bis 1994 innehatte. Auch nach dem Ausscheiden aus politischen Funktionen stellte er in mehreren Organisationen seine hohe soziale Kompetenz ehrenamtlich zur Verfügung. Seine Verdienste als Politiker wurden von dazu mehr Berufenen gewürdigt.

1960 heiratete Raoul Gertrude Obwexer und bekam mit ihr drei Kinder, Romuald, Mathias und Barbara. Trotz seiner vielen Funktionen und Ämter ging ihm seine Familie über alles.

Neben seinen geliebten Studentenverbindungen war er bei unzähligen Vereinen und Organisationen tätig; und das nicht nur ehrenhalber und auf dem Papier. Überall, wo er sich engagierte brachte er sich aktiv ein. Sein großes Herz gehörte auch den Schützen. Besonders seiner Initiative ist es zu verdanken, dass es 1973 in seinem Heimatstadtteil Reichenau zur Gründung der heute hoch angesehenen Schützenkompanie kam. Seine Reichenauer Schützen dankten es ihm mit der Verleihung der Würde eines Ehren-Hauptmanns. Auf Grund seines Einsatzes für das Schützenwesen hat ihn das Schützenbataillon Innsbruck in den Achtzigerjahren zu ihrem Ehrenmajor ernannt.

Raoul war überall wegen seiner hohen menschlichen Qualitäten geschätzt. Winkelzüge waren ihm fremd; er verfolgte immer geradlinig sein Ziel. Glaubwürdigkeit und Handschlagqualität zeichneten ihn aus. Er ging in seiner unkomplizierten und humorvollen Art auf die Menschen, gleich welcher sozialen Stellung, zu und war auch bei Problemen aller Art ein guter Zuhörer. Falschheit waren ihm, genauso wie Populismus und Feigheit ein Gräuel. Solche Eigenschaften sind rar und man möchte sich diese für mehr Menschen wünschen.

Wenn sich auch seine Kinder aufopfernd um ihn kümmerten, muss es für Raoul, der immer ein „Macher“ war, schlimm gewesen sein, in den letzten Jahren krankheitsbedingt kein selbstbestimmtes Leben mehr führen zu können. Wenige Wochen nach dem Tod seiner geliebten Gertrud hat er die Augen für immer zugemacht.

Am 31. Mai 2017 verabschiedete sich beim Requiem in der Wiltener Stiftskirche eine zahllose Menge von Menschen, welche Romuald Niescher zugetan waren. Der Abt von Wilten leitete die Hl. Messe, den Kondukt und die Beerdigung. Das Landeschargiertenkorps des TMV, die Schützen unter Führung des Landeskommandanten Major Fritz Tiefenthaler mit der Bundesstandarte, die Bataillonsstandarte mit Bataillonskommandant Major Helmuth Paolazzi, der das Gesamtkommando führte, die Fahnenabordnungen der Innsbrucker Schützenkompanien, der Traditionsverbände und natürlich „seine“ Schützenkompanie Reichenau waren aufgeboten. Schützenoffiziere und Vertreter Innsbrucker Feuerwehren flankierten den Sarg. In der Stiftskirche sprachen die Bürgermeisterin von Innsbruck Magª. Christine Oppitz-Plörer, Stadtrat Franz Gruber, Landeshauptmann Günther Platter und der Ehrenringträger des TMV Reg.Rat. Edmund Mauracher und würdigten die Verdienste des Verstorbenen.

Unter Vorantritt der Musikkapelle Amras bewegte sich der Trauerzug von der Stiftskirche zum Westfriedhof wo das Begräbnis stattfand. Außer den genannten Abordnungen gingen viele Vertreter des öffentlichen Lebens, Behördenvertreter, Freunde sowie Bundes- und Kartellbrüder der Innsbrucker Verbindungen, viele Begleiter seines bewegten Lebens, mit Raoul den letzten Weg. Ein Quintett der Musikkapelle Amras begleitete die Beerdigung. Die Schützenkompanie Reichenau schoss ihrem Ehrenhauptmann eine letzte Salve über das Grab; das „Lied vom guten Kameraden“ begleitete die Kranzniederlegung.

Unser aufrichtiges Beileid gilt den Kindern – sie können stolz auf ihren Vater sein – sowie den Enkeln und übrigen Verwandten. So sei zum Abschluss aus der Rede von Abt Schreier zitiert: „Er möge jetzt bei Gott ausruhen dürfen, von seinen vielen Mühen, seinem unbeschreiblichen Einsatz für die Familie, für unsere Stadt wie für viele Menschen dieses Landes. Seine Werke werden ihn begleiten.“

Fotos: Hans Gregoritsch